4. Mai 2022

Achtung Datenkrake! Bonität – was geht das die denn an?

Lesezeit: 4 Minuten

Vielleicht kommt es Ihnen bekannt vor, dass mir bei vielen Gesprächen rund um Wirtschaftsauskunfteien gesagt wird „Das geht die doch gar nichts an“ oder „Den Fragebogen schmeißen wir weg“. Egal, ob Sie auch so denken oder schon mit einer Auskunftei zusammenarbeiten – um die „Datenkrake“ kommt heute niemand mehr herum. Das ist ähnlich wie vor fünfzehn Jahren sehr viele Leute sagten „Internet, neeee …“. Heute ist ein Unternehmen ohne eigene Website, also ohne Präsenz im Netz in der öffentlichen Wahrnehmung eigentlich nicht mehr existent.

Aber hier und heute geht es ja nicht um Internet, sondern um Bonität – wobei beide deutlich machen, wie sich die Welt verändert hat.

Lassen Sie uns doch zuerst einmal der Frage nachgehen, was „Bonität“ überhaupt ist, und im Anschluss daran, warum ist es so wichtig, sich hier um die eigene Bonität als Unternehmen zu kümmern. Was sagt Wikipedia zum Thema Bonität: „Bonität (…) oder Kreditwürdigkeit ist in der Finanzwirtschaft die Fähigkeit eines Wirtschaftssubjekts (…), die aufgenommenen Schulden zurückzahlen zu können (wirtschaftliche Bonität) und der Wille, diese zurückzuzahlen (Zahlungswilligkeit).“ © Wikipedia

Viele Unternehmen haben durchaus die Bonität ihrer Kunden sorgsam im Auge * – und das ist auch gut so. Bei vielen Unternehmen ist jedoch das Fachwissen zur eigenen unternehmerischen Bonität nicht ausreichend präsent. Dabei nimmt der Bonitätsindex in der Welt von Lieferanten- und Kreditkonditionen dank überall hinterlegter Scorewerte, Wirtschaftsauskunfteien und Ratingmodellen eine immer wichtigere Position ein und ist in der Wirtschaft nicht mehr wegzudenken. Und das nicht nur bei den Global Playern, sondern auch im regionalen Bereich.

Warum ist das so? Stellen Sie sich vor, in Ihrer Branche gibt es 1.000 Betriebe in allen Umsatzgrößen. Von diesen 1.000 Betrieben sind typischerweise einige wenige extrem erfolgreich, sehr viele recht gut unterwegs und manche aus vielfältigen Gründen im eher traurigen Bereich aktiv. Was machen Wirtschaftsauskunfteien nun mit diesen Angaben? Sie ziehen für die relevante Branchenkennziffer des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden alle öffentlich verfügbaren Quelldaten heran und bilden daraus einen ersten Branchenindex. Dazu zählen Gewerbeanmeldungen, Handelsregistereintragungen u.v.m. Anschließend ziehen sie von Lieferanten und Geldgebern allgemeine Rückmeldungen zu Zahlungsverhalten und Umsätzen der Branche ein und ermitteln daraus den sogenannten Branchenmittelwert.

Was passiert also, wenn Sie z. B. den Fragebogen einer Auskunftei wegwerfen? Sie werden mangels besserer Datenlage einfach pauschal mit dem Branchenindex bewertet. Und dieser Index ist in der Regel deutlich schlechter als der individuelle Scorewert eines gesunden Unternehmens, das offen mit seinen Daten umgeht.

Welche Daten interessieren die Auskunfteien? Das sind z. B. Anzahl der Mitarbeiter, Managementqualifikation, Auftragslage, Besitzverhältnisse im Betrieb, besonders die Entwicklung im Geschäftsjahr. Auch Eigenkapitalausstattung, Forderungsbestand und Prognose sind wichtige Faktoren. Wieso das so ist, erkläre ich Ihnen gerne.

Stellen Sie sich vor, das Unternehmen wurde vor 10 Jahren als GmbH gegründet und ist seitdem munter gewachsen. Das Einzige, was nie gewachsen ist, ist das verpflichtende Stammkapital von 25.000 €. Was sich also negativ verändert hat, ist in Relation zur heutigen Bilanzsumme die Eigenkapitalquote. Faustformel der Geldgeber dazu: 25 % der Bilanzsumme sollte Eigenkapital sein. Munter gewachsen ist in so einem Fall auch der Umsatz. Daher kann unser Musterunternehmen über einen respektablen Auftragsbestand und abgerechnete Projekte berichten. Schade ist dann nur, wenn die Kunden nicht ganz so pünktlich zahlen** und damit ein unnötig aufgeblähter Bestand an offenen Posten mitgeschleppt wird. Hieraus wird seitens der Wirtschaftsauskunfteien z. B. ein mangelhaftes Controlling abgeleitet und entsprechend mangelnde Managementqualifikation unterstellt.

Dies sind nur ein paar Beispiele, worauf Wirtschaftsauskunfteien ein Auge werfen. Wenn Sie hierauf aktiv eingehen, verbessern Sie die Wirtschaftsauskunft über Ihr Unternehmen und stabilisieren so die Reputation für die Zukunft. Wichtig ist, dies regelmäßig zu machen. Am besten setzen Sie sich einen jährlichen Serientermin, denn Inaktivität im Umgang mit den Auskunfteien senkt den Wert über die folgenden Jahre zurück zum Branchenmittelwert.

Eingangs sprach ich von Lieferantenkonditionen. Sie werden sich wundern, welchen Hebel eine positive Wirtschaftsauskunft haben kann. Großhändler sind sehr strukturiert und rufen regelmäßig die Informationen zu ihren Abnehmern ab.

Daraus ermitteln sie mögliches Einkaufsvolumen auf Rechnung sowie Preisspannen bis hin zur Einstellung der Lieferantenbeziehung. Fragen Sie also gerne Ihren Großhändler, welche Einkaufskonditionen Sie bei einem besseren Scorewert der Wirtschaftsauskunftei erzielen könnten. Wir wissen aus gut informierter Quelle, dass Rabatte bis zu 4 % durchaus möglich sind. Der Gewinn liegt im Handwerk bekanntlich im Einkauf – voila. Gehen wir gedanklich noch mal einen Schritt weiter: Was ist, wenn Ihre Lieferanten Materialknappheit haben? Wem wird der Großhändler das verknappte Material wohl eher verkaufen? Dem Kunden, der aufgrund seiner durch eine Auskunftei bestätigte Bonität gut ist oder der Kunde, der bestenfalls einen Durchschnittswert erreicht?

Diese Thematik gilt übrigens bei Geldgebern genauso: Wirtschaftsauskunftsdateien sind heute aus dem Erstentscheidungsprozess der Kreditgeber nicht mehr wegzudenken. Es ist also gut möglich, dass ein respektabel aufgestelltes Unternehmen aufgrund einer ungepflegten Wirtschaftsauskunft eine mäßige bzw. sogar keine Kredit- oder Leasingkondition genannt bekommt. Bleiben Sie hier wachsam und sprechen Sie Ihre Bankberater auch aktiv auf die Bonitätsbewertung des Hauses an. In der Fachsprache der Banker ist es das Kreditrating, über dessen Wert Sie in der Bankenwelt gesteuert werden.

Letztlich geht es darum, dass Sie aktiv Ihre Rahmendaten des Unternehmens veröffentlichen und pflegen. Sie werden sonst aufgrund der frei zugänglichen Informationen in eine Schublade gesteckt, die Ihnen nicht gerecht werden kann. Mit geordneten Finanzen und einer guten Bonität stehen Ihnen hingegen viele Türen offen.

Lassen Sie uns noch mal darüber sprechen, wie das Ganze in der Praxis abläuft: Es gibt zwei führende Wirtschaftsauskunfteien: Crifbürgel und Creditreform. Beide sind heute gleich wichtig und sollten gut gepflegt werden.

Die Informationen können Sie komfortabel den Auskunfteien zukommen lassen. Unterstützend kann Ihnen Ihr Steuerberater oder Bilanzbuchhalter zur Seite stehen.


* Im nächsten EDITIONGLAS-Fachmagazin befassen wir uns mit dem Thema „Bonität der Kunden prüfen oder kenne ich wirklich alle meine Kunden?“ Und was kann ich tun, um mehr Wissen darüber zu erfahren. ** Im übernächsten EDITIONGLAS-Fachmagazin werden wir uns mit dem Thema Forderungsmanagement beschäftigen.

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