19. August 2022

Walter Stackler im Gespräch mit EDITIONGLAS

Lesezeit: 4 Minuten

EDITIONGLAS: In der Glasbranche sind die Signale für die kommende glasstec vom 20. bis 23. September 2022 nicht mehr zu übersehen. Nur noch wenige Wochen und die Glasmesse No. 1 weltweit wird ihre Pforten in Düsseldorf öffnen. Erstmals mit von der Partie: die österreichischen Glaser, vertreten durch die Bundesinnung der Dachdecker, Glaser und Spengler auf dem Messestand des Bundesinnungsverbandes in Halle 10 D 58. Wie kam es dazu und welche Erwartungshaltung verbindet sich für Sie damit?

Stackler: Unsere Verbände sind bereits seit einiger Zeit in Kontakt, um gemeinsame Ziele zu erreichen. So soll die internationale Sichtbarkeit und Attraktivität des Glaserhandwerks gemeinsam gesteigert werden, um im Wettbewerb der jungen Nachwuchsglaser noch attraktiver zu werden. 

Es wird für Jugendliche immer schwieriger, die richtige Berufswahl zu treffen, daher wollen wir den begonnenen Weg mit der Teilnahme an Skills bewerben (EuroSkills, WorldSkills), gemeinsam der Öffentlichkeit vorstellen und fördern, damit immer mehr junge Menschen die Glaserlehre als attraktive Ausbildung sehen. 

Wir wollen auf Messen wie der glasstec Ansprechpartner für Jugendliche, Lehrer und Eltern bezüglich Berufsorientierung sein. Da wir Glasbautechniker 2022 das erste Mal bei den EuroSkills in Graz teilgenommen haben und wir Österreicher mit Christoph Greiner den ersten Europameister stellen, werden wir als Thema bei der glasstec unseren Europameister vorstellen. Wir alle sind gefordert, Maßnahmen zu setzen, damit es in Zukunft Fachkräfte für Glasbautechniker gibt. Die Lehrlinge von heute sind die Fachkräfte von morgen.

EDITIONGLAS: Auch das österreichische Glaserhandwerk hat in den letzten Jahren deutlich gezeigt, dass man in Sachen Glas innovativ unterwegs ist, eben dem Zeitgeist angepasst. Die glasstec 2022 wird erneut unzählige Innovationen präsentieren. Aus den Reihen des Bundesinnungsverbandes wird es erneut organisierte Besuche zur glasstec geben. Kommt so etwas auch für Ihr Glaserhandwerk infrage oder bauen Sie auf die individuelle Anreise zur glasstec nach Düsseldorf?

Stackler:Die glasstec war immer schon eine Fachmesse, die ihren festen Platz im Kalender vieler österreichischer Glaser hat. Von der Wiener Innung wird ein Flug nach Düsseldorf organisiert, ansonsten werden die meisten österreichischen Glaser individuell zur glasstec anreisen. Ein Ort der Begegnung für die österreichischen Glasbauer. 

EDITIONGLAS: Der Bundesinnungsverband des deutschen Glaserhandwerks wird anlässlich der glasstec 2022 die WorldSkills Germany@glass­tec durchführen und seine Kandidaten für die EuroSkills in Polen ermitteln. Die „Wettkampfarena“ in Halle 10 wird externen Teilnehmern die Möglichkeit einräumen, unter Wettkampfbedingungen an der Veranstaltung teilzunehmen. Kommt eine Teilnahme für das österreichische Glaserhandwerk infrage und wenn ja, wen werden Sie entsenden? 

Stackler: Bei uns in Österreich fanden die Staatsmeisterschaften (Austrian­Skills) vom 10. bis 12. Mai 2022 statt und hier wurde Philipp Pfeiler aus der Steiermark Staatsmeister und wird uns bei den EuroSkills 2023 in Polen vertreten. Ich empfinde es als eine wichtige Aufgabe, unserer Elite die Möglichkeit zu geben, sich mit anderen Ländern zu messen. So waren auch schon die deutschen Kollegen bei uns in Österreich bei einem Training für die Euro­Skills in Graz. Hier zeigt es sich wieder, wie Zusammenarbeit der Verbände funktionieren kann. Selbstverständlich werden wir unseren Staatsmeister Philipp Pfeiler mit unserem Nationaltrainer Johannes Fiechtl zu den Meisterschaften nach Düsseldorf entsenden. Danke an den Bundesinnungsverband für die Einladung.

EDITIONGLAS: Die glasstec 2022 hat fünf globale Trendthemen auf der Agenda:

  • Climate (Emissionsreduktion und Erneuerbare Energien)
  • Urbanisation (zukunftsfähige Architektur mit Glas)
  • Value (nachhaltige Wertschöpfung)
  • Resources (Ressourcen effizient und nachhaltig nutzen)
  • Well-Being (gesteigerte Lebens­qualität durch Glas)

Themen, die aufgrund der aktuellen weltweiten Entwicklungen mehr denn je in den Fokus auch von Glaserhandwerksbetrieben rücken. Wohin entwickelt sich das klassische österreichische Glaserhandwerk? Welche Perspektiven bzw. Herausforderungen und Chancen sehen Sie für die kommenden Jahre?

Stackler: Kaum ein Werkstoff ist so stark mit unserer modernen Welt verknüpft wie Glas. Dementsprechend wird er ständig weiterentwickelt – sei es in Bezug auf seine statischen, seine gestalterischen oder seine energetischen Eigenschaften. Das Glaserhandwerk hat sich im Laufe der Zeit grundlegend gewandelt. Lag der Schwerpunkt der Glaserei vor 60 Jahren noch auf dem Einsetzen von Scheiben, so werden heute Terrassen, Balkone und Fassaden konstruiert.

Glas wird gestalterisch eingesetzt und erobert zunehmend unseren Wohnraum. Der Werkstoff Glas hat sich, vor allem in Bezug auf Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Sicherheit, enorm weiterentwickelt. Unsere neue Glasergeneration, die eine solide technische Ausbildung genossen hat, verbunden mit der Erfahrung der etwas älteren Generation, können das umsetzen und das ist die positivste Entwicklung in unserem Glaserhandwerk. Sie glänzen mit maßgeschneiderten Lösungen und kreativem Schaffen. Mit diesen Perspektiven bzw. Herausforderungen sehe ich nur Positives für unser Handwerk.

EDITIONGLAS: Die wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre und in der Neuzeit zeichnen sich nicht nur durch die Corona-Pandemie aus, sondern jetzt auch verstärkt durch die Entwicklungen in der Ukraine. Neben Logistikproblemen, die Lieferengpässe hervorrufen, rückt jetzt auch noch die Energiekrise dominant in den Vordergrund. Was bedeutet das für das Glaserhandwerk in Österreich und wie sehen Sie die Zukunft der österreichischen Glaserbetriebe?

Stackler:Nach einer kurzen Erholungsphase von der Corona-Pandemie hat der Ukraine-Krieg erneut für Verunsicherung gesorgt. Wie sich das Kaufverhalten unserer Kunden durch die massive Teuerung unserer Produkte auswirken wird, kann ich schwer einschätzen. Fakt ist, viele Unternehmen müssen ihre Preise in den kommenden Monaten an diese Situation anpassen, damit sie wirtschaftlich überleben können. Für die Glaser wird es in Zukunft sehr viele Herausforderungen geben. Die Branche muss sich heute mehr denn je mit der Vermarktung der Produkte und Dienstleistungen auseinandersetzen. 

Wir werden als Innung unsere Mitglieder bei allen aktuellen und künftigen Entwicklungen unterstützen und die damit verbundenen Herausforderungen gemeinsam meistern. Wir Glaser können aber auch in diesen turbulenten Zeiten optimistisch in die Zukunft blicken, da Glas in der modernen Architektur nicht mehr wegzudenken ist. Durch die Vielseitigkeit des Werkstoffs Glas sind den Verarbeitern kaum Grenzen gesetzt, und so können immer mehr Einsatzbereiche erschlossen werden. Jeder innovative Glasermeister wird sein Geschäftsmodell, sei es im Innen- oder im Außenbereich, finden und kann dadurch sorgenfrei in die Zukunft blicken. Gute Ausbildung wird die Basis zum Erfolg sein. 

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v. l. n. r. Obmann Sepp H. Tschebull (Österreich), Bundesinnungsmeister Michael Wolter (Deutschland), Bundesinnungsmeister Walter Stackler (Österreich)
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